Stu "The Kid" Ungar
Es ist eigentlich unmöglich zu sagen, wer der beste Pokerspieler aller Zeiten ist. Die Frage ist nicht nur, an welchen Punkten man dies festmachen und welche Maßstäbe man anlegen soll, sondern dar überhinaus gibt es auch eine Menge brillante Spieler, die nie an Turnieren teilnehmen.
Trotzdem glaube ich, dass viele zustimmen können, dass Stu Ungar einer der absolut besten Pokerspieler der Welt gewesen sein muss. Er gewann fünfmal die World Series of Poker, dreimal Super Bowl of Poker.
und war dreifacher Weltmeister. Wenn man dabei bedenkt, dass er im Laufe seines kurzen Lebens (1953-1998) an gerademal rund 30 Turnieren teilgenommen hat, ist dies noch schwerer zu fassen.
Ungar hatte alles, was ein guter Spieler benötigt. Er hatte sowohl einen hohen IQ und ein fotografisches Gedächtnis, als auch mathematische Begabung und Menschenkenntnis. Sein gesamtes Leben lang hatte er nie eine normale Arbeit, sondern gab sein Geld für Pferdewetten, Gin Rummy und natürlich Poker aus. Er versuchte sich sogar mit Black Jack, war aber so erfolgreich, dass ihm alsbald alle Kasinos für immer verboten, bei ihnen Blackjack zu spielen. Er wurde „The
Kid“ genannt, doch davon darf man sich nicht täuschen lassen: man hätte ihm nie beim Poker gegenübersitzen wollen, ganz egal, wie alt er auch war.
Die Geschichte von Stu Ungar ist leider aber alles andere als glamourös. Er mag zwar fantastische Summen gewonnen haben, litt aber unter seiner Drogensucht und einem unglücklichen Familienschicksal. Seine Frau Madeleine hatte einen Sohn, den Stu adoptierte. Dieser nahm sich aber, noch als Teenager, das Leben. Ungar selbst starb in einem Alter von nur 45 Jahren, nachdem er viele Jahre harte Drogen genommen hatte. Er hinterließ eine fünfzehnjährige Tochter.
Als „The Kid” sich das erste Mal zu den World Series of Poker anmeldete, war er gerademal 24 Jahre alt. Er hatte im Grunde erst neulich mit Texas Hold'em begonnen, gewann aber trotzdem das gesamte Turnier und wurde mit Ruhm bekleckert. Seine Kritiker meinten, dass er einfach nur Glück gehabt hätte. Um ihnen das Gegenteil zu beweisen, nahm Ungar im darauffolgenden Jahr noch einmal teil – und gewann erneut.
Ungar spielte auch in den folgenden Jahren, hielt sich aber eher bedeckt. Vier Male wendete sein Glück vollkommen, er schwenkte zwischen Millionen und Armut. Mit den Jahren versank er tiefer und tiefer in der Drogensucht, und schließlich verließ auch seine Frau ihn.
Wir schreiben nun das Jahr 1997, noch eine Stunde bis zum Beginn der World Series of Poker. Stu hat nicht einmal das Geld, teilzunehmen. Im letzten Augenblick hilft sein Freund Billi Baxter und bezahlt das Startgeld, und kurz darauf gewinnt Stu die Weltmeisterschaft zum dritten Mal. Dieser Erfolgt gilt als das größte Comeback in der Geschichte des Pokers. Nur ein Jahr später stirbt Stu Ungar infolge jahrelangen Drogenmissbrauches.
Über die Legende Stu Ungar gibt es nunmehr sowohl viele Bücher als auch den Film „High Roller".
